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January 25, 2026

KI – Ein (weiterer) Phönix des Arbeitsmarktes

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Ein Roboter, sinnbildlich für Künstliche Intelligenz, und ein Menschen geben sich am Arbeitsplatz die Hand.
Zeitschriftencover KoR
Fit4Prax Blog
Prof. Dr. Steffen Hundt
2026
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Bedroht Künstiliche Intelligenz den eigenen Arbeitsplatz in den nächsten 5 Jahren?

Er wird vom Feuer verzehrt und aus der Asche neu erschaffen. Die disruptive Wirkung von KI in weiten Teilen des Arbeitsmarktes entfaltet sich wie ein vernichtendes Feuer, das Jobs verbrennt. Insbesondere Jobeinsteiger haben es zunehmend schwer überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen. Eine Studie von McKinsey (2025) geht davon aus, dass 27% der wöchentlichen Arbeitszeit in Europa automatisiert werden können. Eine Umfrage der TU Darmstadt aus dem Jahr 2025 (N = rd. 2.000 Arbeitnehmer/innen) zeigt, dass Arbeitnehmer/innen, die sich sehr gut mit KI auskennen, eine deutlich ausgeprägtere Angst davor haben, dass Jobs im größeren Stil wegfallen. Gleichwohl zeigt die Studie auch, dass die Mehrheit der Befragten in den nächsten fünf Jahren keine Gefährdung ihres Arbeitsplatzes sieht, obwohl bei allen Befragten das Verständnis existiert, dass KI zu Jobverlusten führen kann.

Bedroht Künstliche Intelligenz den eigenen Arbeitsplatz in den nächsten 5 Jahren? (Quelle: TU Darmstadt)

Man spricht hier gemeinhin von einer „Kognitiven Dissonanzreduktion“. Kurzfristig mag das „Nicht-Eingestehen“ der aktuellen Gefahr des Jobverlustes durch KI zu einem verbesserten Wohlbefinden führen. Mittel-bis langfristig sinkt jedoch die Wettbewerbsfähigkeit aufgrund verpasster (Weiter-)Bildungen. Daraus folgt der wichtigste erste Schritt für jeden Azubi, Studi und Arbeitnehmer/in: In welchen Bereichen meiner beruflichen Tätigkeit kann Künstliche Intelligenz meine eigenen Tätigkeiten ersetzen? Diese Frage führt zwangsläufig in das „Rabbit Hole“ und zu einer Veränderung des eigenen Mindsets.

Welche neuen Jobopportunitäten entstehen?

Aus der Asche werden neue Jobopportunitäten entstehen! Der Arbeitsmarkt befindet sich gerade in einer massiven Transformation, die für Jobeinsteiger/innen sowie für Personen in Jobs, die stark durch KI substituiert werden können, eine zeitweilig prekäre Lage verursachen kann. Um diesen Übergang zu meistern, verfolgen Unternehmen differenzierte Strategien. Während die Einstellung neuer Talente aktuell vor allem in hochqualifizierten Bereichen fokussiert wird, rückt die interne Weiterbildung für den Umgang mit KI ins Zentrum. Da der Wandel von manuellen Tätigkeiten hin zu komplexen IT-Kompetenzen extrem zeitintensiv ist, setzen gemäß der Studie von McKinsey (2025) fast die Hälfte der Unternehmen auf eigene In-house-Schulungen und Mentoring, um ihre Belegschaft bis 2030 fit für die neue Realität zu machen. Nachfolgend gibt Fit4Prax einen Überblick über ausgewählte Skills, die bereits heute und auch künftig eine wesentliche Rolle in vielen Berufsbildern spielen.

Ausgewählte, wichtige Fähigkeiten im Rahmen der KI-Transformation (Quelle: in Anlehnung an McKinsey (2025), S. 28)

Für Personen, die sich bereits in einem Arbeitsverhältnis befinden, besteht die Möglichkeit notwendige Skills On The Job zu lernen. Neben der o.g. Frage wie stark KI meine tägliche Arbeit automatisieren kann, ist die daran anknüpfende Frage „Welche Tätigkeiten kann ich durch KI überhaupt erst vollziehen und welchen Mehrwert hat das für das Unternehmen?“ ebenfalls höchst relevant. Berufseinsteiger, insbesondere jene, die im Verlauf 2026 einen Job suchen, sollten sich u.a. fragen, welche Tätigkeiten im Job nicht durch KI abgedeckt werden können. Hier kann der Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung helfen, Berufsfelder zu identifizieren, die einen geringen Automatisierungsgrad aufweisen. Beispielsweise wird der Job „Finanzbuchhalter/in“ mit 100% Automatisierbarkeit in den kommenden 3 Jahren angegeben. Gleiches galt im Verlauf des Jahres 2025 für den Job „Steuerfachangestellte“. Allerdings hat die Bundessteuerberaterkammer eine Neubewertung dieses Berufs zum Ende 2025 angewiesen, da nun zusätzlich neue Tätigkeiten mit digitalen Prozessen und kommunikativen Fähigkeiten in die Aufzählung der Haupttätigkeiten in diesem Jobintegriert wurden. Dadurch ist die Kennzahl der Automatisierbarkeit auf 50% gefallen. Dieses Beispiel zeigt, wie volatil die aktuelle Situation ist, da es kaum möglich ist in der aktuellen Marktdynamik und der enormen Geschwindigkeit der KI-Entwicklung eine sichere Prognose zugeben. Gleichwohl sollte man sich die 50% der automatisierbaren Tätigkeiten anschauen, da hier durchaus erkennbar ist, dass datenintensive Tätigkeiten (Buchungen, Tabellenaufbereitungen etc.) unverändert als sehr wahrscheinlich gelten durch KI ersetzt zu werden. Insgesamt zeigt dieses Beispiel jedoch, dass weniger gilt „Der Mensch wird durch KI ersetzt“ als vielmehr „Der Mensch ohne KI wird durch den Menschen mit KI ersetzt“. Insofern wird hier gezeigt, dass sich alle Personen im Arbeitsmarkt, sowohl die Einsteiger als auch die Berufserfahrenen, mit KI als Support bzw. Assistent ihrer Tätigkeit auseinandersetzen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eigeninitiative im Umgang mit KI wird zur strategischen Pflicht!

Warum ist Eigeninitiative im Umgang mit KI eine strategische Pflicht?

Diese Pflicht zur Eigeninitiative wird auch durch das sogenannten „KI-Paradox“ in der deutschen Bildungslandschaft deutlich: Während Künstliche Intelligenz in der beruflichen Praxis längst zum Standard avanciert, hinken Bildungskonzepte und Infrastruktur dieser Entwicklung massiv hinterher. An den Hochschulen zeigt sich dies in einer deutlichen Diskrepanz zwischen strategischem Anspruch und praktischer Umsetzung: Laut dem KI-Monitor 2025 sehen über 80% der Führungskräfte Absolventen als unzureichend vorbereitet an, da essenzielle „Future Skills“ sowie die rechtliche Anpassung von Studien- und Prüfungsordnungen im „strategischen Stau“ stecken bleiben, der durch einen sehr zeitintensiven Entscheidungsprozess heraus resultiert. Um eine deutliche Veränderung eines Studienganges zu realisieren, müssen Anpassungsvorschläge durch Studienkommissionen, Fakultätsräte bis hin zu Akkreditierungsstellen. Ein Prozess, der nicht selten 2 bis 4 Semester (also 1 bis 2 Jahre) beansprucht. In der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit der Future Skills führt diese langsame Anpassungsfähigkeit zu einem immer größeren „strategischen Stau“.

Noch prekärer stellt sich die Situation an den Berufsschulen dar, wo ein wachsender „Digital Divide“ die Ausbildung bremst. Hier verhindern veraltete Lehrpläne, eine mangelhafte technische Ausstattung sowie eine ausgeprägte Unsicherheit seitens der Lehrkräfte eine zeitgemäße Vermittlung digitaler Kompetenzen. In der Folge belegt Deutschland im internationalen Vergleich der „KI-Literacy“ einen der hintersten Plätze. Da sich die Lehre oft noch auf die Regulierung statt auf die produktive Anwendung von KI konzentriert, bleibt die notwendige Qualifizierung der Fachkräfte von morgen aktuell weit hinter den Anforderungen des Marktes zurück.

Abschließend lässt sich festhalten, dass KI zwar herkömmliche Berufsbilder verdrängt, dieser Prozess jedoch weniger einen generellen Jobverlust als vielmehr eine marktselektive Verschiebung darstellt: Während Tätigkeiten für jene verschwinden, die den Einsatz neuer Technologien ablehnen, entstehen aus dieser Transformation heraus neue Karrierechancen für Fachkräfte, die KI als Werkzeug beherrschen. In Deutschland wird der disruptive Effekt der KI – also das Risiko geringerer Neueinstellungen durch Effizienzgewinne – paradoxerweise durch den demografischen Wandel (Breite Schultern, schmale Füße) abgefedert. Die „breiten Schultern“ der Babyboomer-Generation gehen in Rente und hinterlassen eine Lücke, die der „schmalfüßige“ Nachwuchs allein nicht füllen kann, sodass KI hier eher zur notwendigen Kompensation des Arbeitskräftemangels wird. Dennoch bleibt dies eine Herausforderung für das Sozialsystem, da Algorithmen keine Beiträge zur Rentenversicherung leisten. Um dieses finanzielle Defizit aufzufangen, diskutiert die Bundesregierung gegenwärtig verstärkt über die Einführung einer sogenannten „Robotersteuer“, um die Wertschöpfung durch automatisierte Systeme für das Gemeinwohl nutzbar zumachen. Im September 2025 veröffentlichte der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hierzu eine umfassende Ausarbeitung mit dem Titel „Aspekte einer Wertschöpfungsabgabe beziehungsweise -steuer“.